Ab 21. Mai auf Blu-ray, DVD und Digital
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Inhalt

Die resolute Diane liebt ihren 15-jährigen Sohn Steve über alles, obwohl er sie mit seinen extremen Wut- und Gewaltausbrüchen in den Wahnsinn und in den Ruin treibt. In ihrem Bemühen, ihr Schicksal zu meistern, bekommt sie unverhofft Hilfe von der schweigsamen Nachbarin Kyla, die der Mutter-Sohn-Beziehung eine ganz neue Dynamik verleiht.

Mit ungeheurer Wucht erzählt MOMMY von einer außergewöhnlichen Mutter-Sohn-Beziehung, in der Zärtlichkeit und Brutalität nur einen Herzschlag voneinander entfernt sind. Regiewunderkind Xavier Dolan feiert mit großem stilistischen Wagemut, mitreißender Musik und viel Liebe zu seinen Figuren die Möglichkeiten des Kinos. MOMMY ist so intensiv, dass er fast die Leinwand sprengt und direkt unter die Haut geht. In Cannes begeisterte der Film Kritiker und Publikum gleichermaßen und wurde mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

Über den Regisseur

Xavier Dolan wurde am 20. März 1989 als Xavier Dolan-Tadros in Montreal (Québec, Kanada) geboren. Der Sohn des Schauspielers und Sängers Manuel Tadros spielte bereits als Vierjähriger in zahlreichen Werbespots mit. Darüber hinaus war er in einigen frankokanadischen Fernsehserien und Kinofilmen wie J’EN SUIS! von Claude Fournier und DIE GEHEIME FESTUNG von Roger Cantin zu sehen. Außerdem arbeitet er seit seiner Jugend als Synchronsprecher. So lieh er beispielsweise Ron Weasley in den Harry Potter-Filmen und Jacob Black in der Twilight-Reihe seine Stimme.

Mit 17 schrieb Dolan das Drehbuch zu I KILLED MY MOTHER, den er 2 Jahre später in Teilen selbst finanzierte und als Autodidakt drehte. Der Film wurde 2009 in die Quinzaine des Réalisateurs beim Filmfestival von Cannes eingeladen, wo er den C.I.C.A.E.-Preis, den Prix Regards Jeunes und den Preis der SACD gewann.

Im Herbst 2009 schrieb er das Drehbuch zu seinem zweiten Film HERZENSBRECHER, der in Cannes 2010 in der Sektion Un certain regard gezeigt wurde und abermals den Prix Regards Jeunes gewann.

Auch sein dritter Film, LAURENCE ANYWAYS, feierte 2012 auf dem Filmfestival von Cannes seine Premiere, wo er mit der Queer Palm ausgezeichnet wurde. Die Hauptdarstellerin Suzanne Clément erhielt den Preis als beste Darstellerin der Sektion Un certain regard. Auf dem Toronto International Film Festival wurde LAURENCE ANYWAYS 2012 als bester kanadischer Spielfilm ausgezeichnet.

Dolans vierter Film, SAG NICHT, WER DU BIST!, ist eine Adaption von Michel Marc Bouchards Theaterstück Tom à la ferme und lief im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig, wo er mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet wurde.

2013 drehte Xavier Dolan das Musikvideo zum Song COLLEGE BOY der französischen Band Indochine, das wegen seiner exzessiven Gewaltdarstellung in Zusammenhang mit der Verwendung christlicher Symbolik mehrfach kritisiert wurde.

MOMMY wurde im Herbst/Winter 2013/14 gedreht und am 22. Mai 2014 innerhalb des Wettbewerbs des Festivals von Cannes uraufgeführt. Nach der Premiere erhielt Dolan 13-minütige Standing Ovations für seinen Film, der schließlich gemeinsam mit Jean-Luc Godards ADIEU AU LANGAGE mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde.

Dolan, der in seinen Filmen oft multifunktional als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, teilweise auch als Schauspieler, Cutter, Kostümbildner und Ausstatter auftritt, plant nach der enormen Produktivität der letzten Jahre eine Pause einzulegen. Mit THE DEATH AND LIFE OF JOHN F. DONOVAN, einem englischen Drehbuch, das er zusammen mit dem kanadischen Schauspieler und Regisseur Jacob Tierney geschrieben hat, liegt allerdings schon das nächste Projekt bereit.

Xavier Dolan Über den Film


  • über den Film

    Wir sahen MOMMY im Kern als einen dunklen Film, aber wir wollten, dass er nach außen voll Licht und Wärme strahlt. Es ist die Aufgabe des Publikums, die wahre Natur des Films herauszufinden, nicht unsere. Wir wollen niemandem vorschreiben, was er zu denken hat und wann er es zu denken hat.

    MOMMY in trübseligen, pessimistischen Bildern zu erzählen, erschien mir daher wie ein billiger Automatismus. Ich wollte für Die und Steve einen freudvollen Ort, an dem alles möglich ist. Ich habe mir geschworen, alles zu tun, um meine Figuren so aussehen und so klingen zu lassen wie die Leute in dem Vorort, in dem ich aufwuchs, und nicht wie bloße Karikaturen. Die Kamera sollte die üblichen Klischees von Bedrückung und Freudlosigkeit vermeiden. Einige Szenen sollten durch Sonnenuntergänge in Rot und Gelb leuchten, andere sollten von hellem Tageslicht durchflutet fast blenden. Für mich war es wichtig, dass MOMMY auf jeden Fall eine strahlende Geschichte über Mut, Liebe und Freundschaft werden würde.

    Ich sehe keinen Sinn darin, Filme über Loser zu machen, geschweige denn sie mir anzusehen. Was nichts mit Verachtung zu tun hat – im Gegenteil. Ich habe nur eine besondere Abneigung dagegen, Figuren anhand ihres Scheiterns zu portraitieren. Ich denke, Menschen verdienen es, durch reichhaltigere Konzepte charakterisiert zu werden, als durch das Elend, das ihrer sozialen Klasse obliegt, oder durch Etiketten, die man ihnen aufdrückt. Sie sollten durch ihre Gefühle und Träume charakterisiert werden. Deshalb wollte ich einen Film über Gewinner machen, was auch immer ihnen am Ende widerfährt. Ich hoffe wirklich, dass mir zumindest das gelungen ist.


  • ÜBER DIE VISUELLE GESTALTUNG

    Wir sahen MOMMY im Kern als einen dunklen Film, aber wir wollten, dass er nach außen voll Licht und Wärme strahlt. Es ist Seit meinem ersten Film habe ich viel über die Liebe gesprochen. Ich habe übers Erwachsenwerden, über Ausgrenzung und Transsexualität gesprochen. Ich habe über Jackson Pollock und die 1990er-Jahre gesprochen, über Entfremdung und Homophobie; über Internate und das Wort „speziell“, übers Kühe melken, über die Kristallisation der Liebe bei Stendhal und über das Stockholm-Syndrom. Ich habe in derbem kanadischem Dialekt und manchmal auch auf Englisch geredet. Ich habe geflucht wie ein Droschkenkutscher. Und wahrscheinlich habe ich auch ziemlich viel dumm daher geredet.

    Wenn man über Dinge „redet“, läuft man wahrscheinlich immer Gefahr, Blödsinn zu reden. Deshalb habe ich Themen gewählt, die mit mir zu tun hatten – mehr oder weniger. Themen, von denen ich dachte, dass ich sie durch und durch oder zumindest ausreichend kennen würde – aus eigenen Erfahrungen oder aus Beobachtungen meines Umfelds. Weil ich die Lügen kenne, die wir uns selbst erzählen, wenn wir aus Angst etwas vor anderen verbergen. Oder die vergeudete Liebe, die wir dickköpfig an Zeitdiebe vergeben. Das sind Dinge, die ich gut genug kenne, um über sie erzählen zu können.

    Aber sollte es ein Thema geben, das ich besser als alle anderen kenne, das mich unendlich inspiriert und das ich über alles liebe, wäre es sicher meine Mutter. Und wenn ich meine Mutter sage, dann meine ich DIE Mutter im Allgemeinen, ihre Rolle. Denn sie ist es, auf die ich immer wieder zurückkomme; sie, die ich gewinnen sehen will; sie, für die ich Probleme erfinde, damit sie das Lob für deren Lösung bekommt; sie, durch die ich mir Fragen stelle; sie, die ich laut schreien hören will, wenn keiner sonst was sagt; sie, die im Recht ist, wenn wir im Unrecht sind. Sie ist es, die – egal, was man tut – immer das letzte Wort haben wird.

    Als ich I KILLED MY MOTHER gedreht habe, wollte ich – wahrscheinlich – meine Mutter bestrafen. Nur fünf Jahre sind seitdem vergangen, aber ich glaube, dass ich sie heute – mit MOMMY – rächen möchte. Das soll einer verstehen.


  • ÜBER DIE FIGUREN

    Diane „Die“ Després (Anne Dorval)
    Die ist eine Kämpfernatur. Seit drei Jahren ist sie Witwe und musste ihr Leben neu ordnen, nachdem ihr Sohn im Erziehungsheim landete. Auch wenn sie sich selbst eher als Teenager-Prinzessin sieht, beweist sie ein hohes Maß an Reife, wenn es um die Erziehung ihres Sohnes und den Umgang mit Familienkrisen geht. Ihr aufbrausender Charakter, ihr sexualisiertes Auftreten und ihre derbe Sprache (welche sie oft zu zügeln versucht, um sich über ihre Umstände hinwegzusetzen und vor allem um ihren Sohn zu beeindrucken) machen sie zu einem komischen, bissigen und großschnäuzigen Wesen. Aber hinter dieser Fassade ist sie ein unsinkbarer Fels, eine praktisch unbesiegbare Frau, die niemals ein „Nein“ als Antwort akzeptieren wird.

    Kyla (Suzanne Clément)
    Die nach einem nur wage zu erahnenden Trauma zum Stottern verdammte Kyla ist eine auf unbestimmte Zeit beurlaubte Lehrerin, die gerade erst in den Vorort von Montreal gezogen ist, in dem auch Die und Steve wohnen. Jegliche Kommunikation mit ihrem Mann und ihrer Tochter scheint gebrochen, ihre Tage sind leise und lang. Aber als Steve und Die in ihr Leben treten – oder ist es umgekehrt? – gewinnt sie wieder Hoffnung. Ihr kühles, ängstliches Temperament erwärmt sich, ihre Tics verblassen, ihre Aussprache verbessert sich. Aber kann Kyla ihre eigene Familie für eine andere verlassen? Denn auch wenn jeder weitere Tag, den sie mit Die und Steve verbringt, sie von ihrer bewegten Vergangenheit abzulenken scheint, nähert sie sich einer möglichen Wende des Schicksals: sie könnte aus dem Leben der beiden genauso schnell verschwinden, wie sie hineingetreten ist.

    Steve Després (Antoine Olivier Pilon)
    Steves Charme ist ohne Zweifel einzigartig. Seit dem Tod seines Vaters hat er eine ganze Reihe von Heimen für schwer erziehbare Kinder durchlaufen. Nun kommt er zurück zu seiner Mutter, weil niemand sonst mit ihm fertig wird. Aber seine überbordende Liebe zu ihr, sein Anspruch auf die Rolle des Mannes im Haus, und die Art und Weise, wie er sein Herz auf der Zunge trägt, machen ihn zu einem sehr beunruhigenden Antihelden. Während er dem Leben mit seinem Vater nachtrauert, klammert sich Steve an die Idee eines friedlichen Lebens mit Diane. Aber sein Benehmen, das er am Ende oft bereut, treibt die beiden nur auseinander und zerstört jede Hoffnung auf ein unbeschwertes Zusammenleben. Es gibt nichts, was Steve nicht für seine Mutter tun würde – leider.


  • ÜBER DIE BESETZUNG

    Wie bei jedem Film bestand ich auch bei MOMMY darauf, dass die Schauspieler im Mittelpunkt stehen. Ich hege eine endlose Begeisterung für sie, und mein oberstes Ziel ist es, ihr Spiel zu verstehen und sie an ihre Grenzen zu treiben. Ohne gute Schauspieler fällt der ganze Film in sich zusammen.

    Dieses Mal wollte ich die Schauspieler in eine weniger überschwängliche Darstellung als in LAURENCE ANYWAYS und eine weniger verkopfte Darstellung als in HERZENSBRECHER dirigieren. Die Figuren in MOMMY spielen keine Spielchen und können ihre Gefühle nicht so eloquent ausdrücken wie viele meiner früheren Charaktere. Die, Steve und Kyla ziehen keine Show ab. Aber sie sind sehr authentische und ungestüme Figuren, die sich ihrem Umfeld und ihrer Geschichte entsprechend ausdrücken.

    Die erneute Arbeit mit Anne Dorval und Suzanne Clément bedeutete für mich nicht die Rückkehr zu Altbewährtem, im Gegenteil. Es war eine der spannendsten Herausforderungen des Films, zu verhindern, dass man sie „wiedererkennt“. Was Antoine angeht: er ist fraglos eine Entdeckung. Jeder Filmemacher ist stolz darauf, neue Talente zu entdecken oder bereits bestehende zu bestätigen. Es liegt mir sehr viel daran, mit großen Künstlern zusammenzuarbeiten, gemeinsam mit ihnen tolle Performances zu erschaffen und große Emotionen auszulösen.

    Heute gibt es kaum noch echte Figuren in Filmen. Es gibt nur noch schemenhafte Figuren ohne Nachnamen, ohne eigenen Stil, ohne Jargon, ohne Vergangenheit, ohne Tics, … Schauspieler sind gefangen in Typisierungen und in dramaturgischen Rastern plausibler, möglichst rentabler Geschichten. Aber interessante Menschen – zumindest die Helden meiner Kindheit – existierten immer schon in einer viel konkreteren Art und Weise. Und die Schauspieler, die ich bewundere, und mit denen ich gern zusammen arbeite, bringen immer eine konkrete Wirklichkeit, konkrete Erfahrungen und Beobachtungen in eine Rolle mit ein. Für mich ist es das, was einen großen Schauspieler ausmacht: Charaktere zu kreieren statt Performances abzuliefern.


  • MOMMY VS. I KILLED MY MOTHER

    Es gibt einige Parallelen zwischen meinem ersten Film und MOMMY – aber nur auf den ersten Blick. Ich finde, dass die beiden Filme unterschiedlicher nicht sein könnten: Regie, Ton, das Schauspiel, die visuelle Gestaltung sind komplett verschieden. Der eine Film entwickelt seine Perspektive durch die Augen eines Teenagers, der andere befasst sich eingehend mit den Nöten einer Mutter. Abgesehen von diesem Perspektivwechsel gibt es noch einen essentiellen Unterschied: I KILLED MY MOTHER behandelt eine Pubertätskrise, MOMMY eine existenzielle Krise.

    Außerdem habe ich kein Interesse daran, den gleichen Film zweimal zu machen. Ich freue mich, zum Mutter-Sohn-Thema zurückkehren zu können – es war ja immer schon Teil meiner Filme, vielleicht sogar ihr Ursprung. Noch mehr freue ich mich aber über die Möglichkeit, Neues auszuprobieren – nicht nur innerhalb meiner eigenen Filme, sondern auch innerhalb des Genres der Familienfilme, die für mich die emotionalste Form des Dialogs mit dem Zuschauer darstellen. Die Mutter ist, wo wir herkommen, und das Kind ist, wer wir sind, wer wir geworden sind. Diese Freudschen Raster werden wir nie los.


  • ÜBER DIE MUSIK

    Ich denke, dass die Musik eines Films einen unbewussten Austausch mit jedem Einzelnen im Publikum vollzieht, indem sie jeden dazu bringt, seine eigene Geschichte mit dem Film zu verknüpfen.

    Dido, Sarah McLachlan, Andrea Bocelli, Celine Dion oder Oasis haben alle eine Geschichte mit jedem Zuschauer. Als z.B. „Wonderwall“ 1995 im Radio lief, hatte der eine vielleicht gerade Liebeskummer, während der nächste allein in einer Bar saß oder auf Hochzeitsreise in der Dominikanischen Republik war oder auf dem Rückweg von der Beerdigung eines Freundes. Ausgelöst durch die Musik können sich die privaten Erinnerungen im Schutz des dunklen, anonymen Kinosaals öffnen, so dass der Film weiter reicht, als man es vorher vermutet.

    Die Tatsache, dass fast jeder Song im Film aus einem Mixtape von Dianes verstorbenem Ehemann und nicht aus meiner persönlichen Playlist kommt, war ganz neu für mich. Ich glaube, Pauline Kael schrieb über Scorsese, dass in dessen Filmen die Songs nicht ÜBER die Filme gespielt werden, sondern IN den Filmen spielen – im Radio, im Fernsehen oder in Cafés. Durch diese diegetische Verwendung der Musik werden die Zuschauer an die authentische, nackte Wirklichkeit der Charaktere gebunden, so dass sie die Ideen des Regisseurs vergessen.


  • ÜBER DAS BILDFORMAT

    Nachdem ich letztes Jahr das Musikvideo zu COLLEGE BOY von Indochine im Format 1:1 gedreht hatte, dämmerte es mir, dass dieses Format einen einzigartigen emotionalen Effekt vermittelt. Das quadratische Bild umrahmt Gesichter perfekt und erscheint mir daher für Portraitaufnahmen ideal. Keinerlei Ablenkung ist auf solch begrenztem Raum möglich, der Charakter steht unentrinnbar im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit. Außerdem hat sich 1:1 auch als Format von CD-Covern in unsere Vorstellungswelten eingeprägt. Das „Die & Steve 4ever-Mix“-Leitmotiv findet so in diesem Bildformat ein zusätzliches Echo. Um ehrlich zu sein ist die Wahl des Formats auch meinem Kameramann André Turpin geschuldet, der – wie ich dachte – immer schon einmal in 1:1 drehen wollte, sich aber nie getraut hatte. Nachdem er mir nun ein Jahr die Ohren voll geheult hat, weil er unser gewähltes Format bei jeder Einstellung verdammte, sind mir zwei Dinge klar geworden: André liebt Cinemascope und ich bereue absolut nichts in dieser Angelegenheit.

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